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Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.

Pressemeldung vom 1. Ausstellungsort unserer Ausstellung zum Kaiserschnitt: „Kaiserschnitt – goldener Schnitt?“

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Pressemeldung vom 1. Ausstellungsort unserer Ausstellung zum Kaiserschnitt:

Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus

Kaiserschnitt – goldener Schnitt?“ Bundesweite Ausstellung setzt sich kritisch mit hoher Kaiserschnittrate auseinander

„Kaiserschnitt – Goldener Schnitt?“, so lautet die bundesweite Kunstausstellung, die sich kritisch mit der hohen Kaiserschnittrate in Deutschland auseinandersetzt und heute im Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus in Hamburg-Volksdorf eröffnet wird. 26 Künstlerinnen stellen ihren persönlichen Blick auf das Erlebnis Geburt dar und zeigen anhand ihrer Werke, welche Wirkung die Geburt auf sie selbst und ihr künstlerisches Schaffen hat.

 Verdopplung der Kaiserschnittrate in den vergangenen 20 Jahren

In Deutschland kommt mittlerweile jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt – die Kaiserschnittrate hat sich damit in den vergangenen 17 Jahren von 15,3% (1991) auf 31,9 % (2010)  mehr als verdoppelt. Unbestritten ist dabei, dass der Kaiserschnitt dann geboten ist, wenn zwingende medizinische Gründe vorliegen – also, wenn die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet sind. Das aber sei nur bei ca. 15% der Geburten der Fall, sagt Dr. Wolf Lütje, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Geburtshilfe und Gynäkologie (DGPFG): „Mit dem Kaiserschnitt bekommen Mutter und Kind einen ‚Notausstieg‘ , aber mit Sicherheit keinen Hauptausgang bei der Geburt geboten. Für eine natürliche Geburt gibt es in den meisten Fällen keine wirkliche Alternative“. So würden etwa Studien belegen, dass Kaiserschnitt-Kinder z.B. öfter an Allergien litten als natürlich geborene Babys. Aber auch für die Mutter berge der operative Eingriff Risiken. „Es handelt sich beim Kaiserschnitt um eine Operation, das wird leider nicht selten verdrängt,“ so Lütje weiter.

Vielfältige Gründe

Die deutliche Zunahme der Kaiserschnittrate in den vergangenen Jahren lässt sich laut „Faktencheck Kaiserschnitt“ der Bertelsmann-Stiftung (www. kaiserschnitt.faktencheck-gesundheit.de) vor allem auf die geänderte Bewertung sog. relativer Indikationen zurückführen, bei denen ein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann, aber nicht zwingend durchgeführt werden muss – etwa bei einer sog. Beckenendlage oder bei einer vorangegangenen Entbindung per Sectio-OP. Die veränderte Risikobewertung sei unter anderem begründet durch eine defensiver ausgerichtete Geburtshilfe, haftungsrechtliche Entwicklungen, Veränderungen in der Klinikorganisation und die abnehmende Erfahrung der Geburtshelfer in der Betreuung komplizierterer Spontangeburten, so die Studie, die gemeinsam von Professorin Petra Kolip von der Universität Bielefeld sowie dem IGES Institut in Berlin durchgeführt wurde.  Das Alter der Gebärenden spiele dagegen kaum eine Rolle, wohl aber gebe es bezüglich der Kaiserschnittraten große regionale Unterschiede. Dr. Lütje nennt als weiteren gewichtigen Grund die Angst werdender Mütter vor der Geburt, auf die eingegangen werden müsse, ohne sogleich auf den Kaiserschnitt als vermeintlich einfachen Ausweg zu verweisen.

Ulrike Hauffe, Landesfrauenbeauftragte Bremens und aktiv im Arbeitskreis für Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft (AKF e.V.): „Die viel zu hohen Kaiserschnittraten sind deutliches Indiz dafür, wie sehr Schwangerschaft und Geburt heute als Risiko und zugleich als ein sich in den Klinikbetrieb einzuordnendes Geschehen gesehen werden. Schwangere aber sind keine Kranken, sondern Frauen, die Kinder zur Welt bringen. Dafür brauchen sie Zeit und Vertrauen in ihren Körper und dessen Fähigkeiten. Sie hier zu unterstützen kam in der Vergangenheit häufig zu kurz, zugunsten medizinischer Eingriffe, die nicht immer notwendig sind. Hier vollzieht sich gerade ein Richtungswechsel, ein neues Bewusstsein für den Wert der natürlichen Geburt entsteht.

Lifestyle-Geburt?

Dieses Bewusstsein grenzt sich ab von der zu einer „lifestyle-Maßnahme“ stilisierten Geburt, vorgelebt etwa von prominenten „Kaiserschnitt-Müttern“, wonach der „Wunsch-Kaiserschnitt“ als  gleichwertige Option neben der normalen Geburt und der  „moderne Weg“ zum Kind erscheint. Vielmehr wünscht sich der überwiegende Teil der Frauen eine normale Geburt und hat dazu auch die Kraft und Fähigkeit, wenn die äußeren Bedingungen dies zulassen.

 Ökonomisierung?

Nicht selten wird die deutliche Zunahme der Kaiserschnittrate auch als Ausdruck einer zunehmenden Ökonomisierung des Klinikbetriebes angesehen, da der Kaiserschnitt (geringfügig) besser vergütet wird. Diese Sichtweise hält Hans-Peter Beuthien, Geschäftsführer des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses, für falsch: „Der personelle Aufwand bei einer Kaiserschnitt-Geburt ist höher als bei der natürlichen Geburt und überdies bleibt die Mutter anschließend länger in der Klinik, so dass der Klinik aus einer Sectio-OP kein finanzieller Vorteil erwächst.“  Allerdings betont auch Beuthien, dass die Arbeitsverdichtung in den Kliniken aufgrund des finanziellen Drucks deutlich zugenommen habe, so dass der Faktor „Zeit“ immer knapper werde. „Geburtshilfe braucht aber Zeit und die geben wir unserem Geburtsteam auch.“  Ebenfalls kritisch sieht Beuthien die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Haftungsrisiken in der Geburtsmedizin, die für Kliniken mit Geburtshilfe eine zusätzliche enorme finanzielle Belastung darstellten.

Bundesweites Gemeinschaftsprojekt

Die Ausstellung „Kaiserschnitt  – Goldener Schnitt? Bilder rund um die Geburt“ basiert auf einer Kooperation des AKF e.V. sowie dem Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V. (GEDOK), die das Thema vor einem Jahr ausgeschrieben haben.  Monika Hahn, beteiligte Künstlerin aus Hamburg und Bundesfachbeirätin in der GEDOK: „Die Jury konnte im Sommer 2014 aus 90 Bewerbungen 26 künstlerische Interpretationen auswählen. Die meisten Künstlerinnen haben eigenes Erleben bildnerisch umgesetzt und interpretiert. Diese subjektive Sichtweise macht die Ausstellung so abwechslungsreich und interessant.“

Unterstützt wird die Ausstellung von der Stiftung „Zukunft Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus in den Walddörfern“ und dem „Freundes- und Fördererkreis Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus.“

Die Vernissage fand am 08.01.2014 um 18 Uhr im amalieFORUM Des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses, Haselkamp 33 in 22359 Hamburg, statt. Die Ausstellung bis zum 25. Februar zu sehen sein, die nächste Station ist Berlin.

 Mitwirkende Künstlerinnen:

Carolin Beyer, Hamburg
Anna Broermann, Berlin
Karin Gralki, Berlin
Heike Gronemann-Evers, Berlin
Monika Hahn, Hamburg
Gundi Hakenjos, Freiburg
Sibylle Hauswaldt, Hamburg
Mariola Maria Hornung, Bonn
Gabriele Kaiser-Schanz, Essen
Emese Kazar, Bremen
Petra Lindenmeyer, Heidelberg
Brigitte Lingertat, Berlin
Hertha Miessner, München
Christiane Miklusz, Berlin
Anastasiya Nesterova, Münster
Rita Oerters, Emden
Andrea Rausch, Hamburg
Ulrike Rosenbach, Bonn
Anna Rossipau, Neuenhaus
Helga Santel, Leverkusen
Ute Scharrer, Hersbruck Franken
Katharina Schellenberger, München
Gertrud Schleising, Bremen
Claudia Speer, Berlin
Brigitte Stein, Frankfurt
Julia Ulrich, Dorfprozelten

Download

Pressemeldung des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses (pdf)

 

3 Kommentare

  1. Hallo. Wann und wo beginnt bitte die Ausstellung in Berlin? Bin schon soooo gespannt!

    • Wann kommt die Ausstellung nach Köln?

    • Hallo Juliane und Melanie, der nächste Termin steht jetzt fest – am 4. März geht es los im FPZ Berlin … Wann die Ausstellung in Köln gezeigt wird, steht noch nicht fest, sobald es soweit ist, werden wir rechtzeitig informieren … Vielen Dank für das Interesse!

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