AKF Kaiserschnitt Kampagne

Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V.

Kaiserschnitt Vergleich international
Kaiserschnitt Vergleich international

Kaiserschnitt rund um die Welt

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Ein Kaiserschnitt ist im Jahr 2021 keine Besonderheit mehr. Die Zahl der natürlichen Geburten nimmt ab, teilweise wird bereits weit im Vorfeld der Kaiserschnitt geplant – in Deutschland kommt jedes dritte Kind auf diesem Weg zu Welt. Aber warum gibt es in China so viele geplante Geburten? Und wieso gibt es in den USA so große regionale Unterschiede bei Kaiserschnittgeburten? Diese und andere Fragen zur Sectio im internationalen Vergleich beantwortet der folgende Artikel.

Kurz erklärt: Der Kaiserschnitt

Bei einem Kaiserschnitt kommt das Baby durch einen operativen Eingriff zur Welt. Dabei wird, natürlich unter entsprechender Narkose, ein Querschnitt durch Bauchdecke und Gebärmutter gesetzt. Es gibt drei unterschiedliche Arten eines Kaiserschnitts:

  • den primären Kaiserschnitt,
  • den sekundären Kaiserschnitt
  • und die Sonderform des Wunschkaiserschnitts.


Bei einer primären Sectio ist der Kaiserschnitt medizinisch indiziert und geplant, das ist zum Beispiel bei besonders großen Babys und sehr zierlichen Müttern der Fall, oder wenn das Kind in der Steißlage liegt und sich nicht rechtzeitig dreht.

Bei der sekundären Sectio wird eine natürliche, vaginale Geburt aus medizinischen Gründen abgebrochen und das Baby wird spontan per Kaiserschnitt geholt.

Wie ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, welche Risiken er birgt und wie ein sogenannter „sanfter Kaiserschnitt“ nach der Misgav-Ladach-Methode funktioniert, erklärt der folgende Artikel vom Elternmagazin Windelprinz im Detail: Was passiert bei einem Kaiserschnitt?

Kaiserschnitt zum Wunschtermin

Ein Wunschkaiserschnitt ist geplant und entspricht ausdrücklich nur dem Wunsch der Mutter, ohne medizinische Notwendigkeit. In Deutschland können Frauen selbst entscheiden, ob sie ihr Baby auf natürlichem Weg zur Welt bringen möchten oder einen Kaiserschnitt wünschen. In einigen arabischen Ländern hingegen ist es verboten, ohne medizinischen Grund per Kaiserschnitt zu gebären – hier spielen religiöse Überzeugungen eine Rolle.

Welche Gründe sprechen für einen Kaiserschnitt?

Zunächst einmal: Ob eine Mutter ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringt oder die geplante Variante bevorzugt, ist ihre Entscheidung und bedarf keiner Rechtfertigung. Ein weit verbreiteter Grund mag die Angst vor einer natürlichen Geburt sein, die besonders bei asiatischen Müttern mit westlichen Partnern eine Rolle spielt, da hier die Babys häufig sehr groß sind und die zierlichen Mütter in leichte Panik versetzen.


Für manche Frauen ist es auch logistisch leichter, per Kaiserschnitt zu entbinden – sie können das Geburtsdatum des Kindes bestimmen und im Vorfeld dafür sorgen, dass alle gewünschten Anwesenden auch Zeit haben. Vor allem in China, Brasilien und Japan ist die Planbarkeit einer Kaiserschnittgeburt elementar – Urlaubstage zur Vaterschaft wie bei uns sind selten und frischgebackene Familien möchten sicherstellen, gemeinsam Zeit zu verbringen.
Natürlich ist ein Wunschkaiserschnitt kostspielig, was einige Frauen davon abhält – andererseits besteht durch die Planbarkeit die Möglichkeit, finanzielle Einbußen mit entsprechender Organisation entgegenzutreten.

Das Alter der Mutter

In Italien, Spanien und Österreich gebären Frauen immer häufiger im Alter von 40-44. In diesem Alter ist der Kaiserschnitt die beste Lösung, da eine eventuelle Beckenbodenschwäche oder Inkontinenz nach einer natürlichen Geburt im höheren Lebensalter nicht so leicht regeneriert. Im südlichen Europa gibt es daher die höchsten Raten an Kaiserschnittgeburten – Deutschland liegt im europäischen Vergleich auf dem 4. Platz, auch bei uns wird Frauen ab 40 zur Entbindung per Kaiserschnitt geraten.

Wie kommen die Babys in Asien zur Welt?

Wie in Deutschland, so kommt auch in China etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Die frühere Ein-Kind-Politik hatte zu einem besonders hohen Sicherheitsbedürfnis beim Geburtsvorgang geführt, was für den Kaiserschnitt sprach. Aber auch die Möglichkeit, Geburtsdaten festzulegen ist aufgrund des weit verbreiteten Glaubens an Glückszahlen sehr beliebt, auch in Japan werden besonders um die Jahreswende viele Kaiserschnitte geplant, um Horoskope zu beeinflussen. In chinesischen Großstädten ist es auch üblich, dass Mütter sich die Narbe mit besondere Tattoos verzieren lassen. Da sie im Regelfall nur ein Kind bekommen, ist diese Narbe ein Schmuck für die Ewigkeit. Eltern in Taiwan, China und Korea berechnen den Geburtstermin auch im Hinblick auf das Einschulungsdatum – im Gegensatz zu Deutschland gibt es keine Schulreifeprüfung, nur das Geburtsdatum entscheidet.

Kaiserschnitt in Amerika

Die USA können wie ein Spiegelbild des Globus gesehen werden – in den ländlichen und konservativen Staaten kommen die Babys meistens auf natürlichem Weg zur Welt – rund 300 % höher als im Bundesstaat Utah ist die Kaiserschnittrate in New York City. In Staaten, die eine hohe Einwohnerzahl an Latinos haben, ist der Kaiserschnitt besonders in Mode. Südamerika erlebt ein starkes Stadt-Land-Gefälle bei den Geburten: Rund 56 % aller Babys werden per Kaiserschnitt geboren – in Privatkliniken sogar bis zu 85 %. Für das brasilianische Verständnis von Schönheitsoperationen ist ein Kaiserschnitt die sauberste und schönste Art der Entbindung, die möglichen Risiken werden manchmal nicht einmal mehr beim Aufklärungsgespräch erwähnt.

Der europäische Vergleich

Europa ist sehr uneinheitlich bezüglich des Kaiserschnitts – es gibt keinen europäischen medizinischen Konsens der Staatengemeinschaft, welches Verfahren in welchem Fall angemessen ist. Im überwiegend katholischen Teil Irlands lehnen Familien den Kaiserschnitt oft gegen medizinischen Rat ab, da sie die Auslegung der Bibel verfolgen, Kinder müssten unter Schmerzen geboren werden.

In Polen, Ungarn und slawischen Staaten entscheidet das Geld über den Kaiserschnitt. Wer es sich leisten kann, verzichtet auf eine natürliche Geburt aus Gründen des Prestiges.

Unter den OECD-Ländern liegt die Türkei an erster Stelle im Kaiserschnitt-Ranking, hier ist vor allem eine unnatürliche Angstsymptomatik der Grund: Frauen bekommen immer häufiger durch Horrorgeschichten nahezu panische Angst vor einer natürlichen Geburt und tauschen sich in Internetforen darüber aus, die teilweise keinerlei medizinischen Hintergrund haben.

Ganz anders sieht es in Island aus – dort kommen nur etwa 15 % der Babys per Kaiserschnitt – was aber im Wesentlichen auch an den fehlenden Kliniken und dem Personal liegt. Hier gibt es immer noch überdurchschnittlich viele Hausgeburten, ähnlich wie in den Niederlanden und in Skandinavien.

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